KiTa-Gesundschreibungen

So ist es auf Betreiben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung seit 2013 in Sachsen-Anhalt geregelt:

Gesetzliche Regelung zur Gesundschreibung von Kindern in Kindertagesstätten entfällt

Mit dem Inkrafttreten der Änderung des Kinderförderungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt (KiFöG) werden die Vertragsärzte entlastet. Ab dem 1. August 2013 entfällt die gesetzliche Verpflichtung...: „Nach Erkrankung ist eine ärztliche Bescheinigung über die gesundheitliche Eignung des Kindes vorzulegen.“
Damit entfällt für die Eltern die nicht mehr als sinnvoll beurteilte gesetzliche Pflicht mit einem gesunden Kind nach einer Erkrankung beim behandelnden Arzt wiederholt vorstellig zu werden, um sich die Eignung für den Besuch einer Kindertagesstätte bescheinigen zu lassen.
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Die Medizinische Betreuung ist nun in Paragraf 18 KiFöG wie folgt geregelt:
„(1) Vor Aufnahme eines Kindes in eine Tageseinrichtung ist eine ärztliche Bescheinigung über die gesundheitliche Eignung des Kindes und über die Durchführung der für das jeweilige Alter gemäß Paragraf 26 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch vorgesehenen Kinderuntersuchungen oder, soweit die Kinder nicht gesetzlich versichert sind, einer gleichwertigen Kinderuntersuchung vorzulegen.
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In vielen Kindergärten müssen Eltern ein Attest vom Arzt vorlegen, wenn ihr Kind nach einer Krankheit wieder betreut werden soll. Ist das sinnvoll? Ein Gespräch mit Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler.

Die Frage, wann ein krankes Kind wieder in die Kita darf, entzweit oft Eltern, Erzieher und Ärzte. Obwohl offiziell für die wenigsten Krankheiten ein Attest zur Gesundschreibung vorgelegt werden muss, verlangen viele Einrichtung von den Eltern eine ärztliche Bestätigung, dass das Kind wieder mit anderen Kindern zusammen betreut werden kann. GESUND sprach darüber mit Dr. Ulrich Fegeler, Kinderarzt in Berlin und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

GESUND: Für manche Eltern gelten Kindergärten als Virenschleudern, die ihre Kinder krank machen. Ist die Sorge berechtigt?

Dr. Ulrich Fegeler: Besorgt sein muss man deshalb nicht. Es gibt eine Vielzahl von Bagatellinfektionen, die man gar nicht verhindern kann, weil der kindliche Körper noch kein eigenes immunologisches Lexikon hat. Erwachsene verfügen über Millionen von Bauplänen für Antikörper, die abgerufen und bei Bedarf millionenfach produziert werden können. Beim Kind müssen diese Baupläne erst angelegt werden, das ist die Zeit der Kinderkrankheiten. Ein Kind setzt sich pro Tag mit bis zu 300 bis 400 Erreger-Typen auseinander, meistens ohne erkennbare Erkrankung. Man nennt das "stille Feiung". Insofern ist es fast eine Funktion von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, das Erregerangebot im Lebensumfeld der Kinder gleichmäßig zu verteilen. Wir wissen, dass Kinder im Kindergarten zwar häufiger erkranken, aber auch früher ihr Antikörperlexikon aufgebaut haben.

GESUND: Lässt sich eine Ansteckung im Kindergarten überhaupt verhindern?

Fegeler: Infektionen zu verhindern ist eine Illusion – wie ein Kampf von Don Quijote gegen Windmühlenflügel. Man sollte auch bedenken, dass ein Kind, das im Kindergarten durch einen Infekt auffällt, wahrscheinlich vorher schon ansteckend war.
Wann ein Kind wieder in die Kita darf

GESUND: Wie lange sollte ein krankes Kind zu Haus bleiben?

Fegeler: Die Kinder können wieder in die Kita, wenn sie wenigstens einen Tag kein Fieber mehr hatten. Außerdem sollte der Allgemeinzustand ihnen erlauben, Spaß zu haben. Drittens sollten aus der Nase kein grüner schmieriger Schnupfen mehr laufen, der infektiös ist. Normaler Schnupfen dagegen ist unerheblich, viele Kinder haben ihn den ganzen Winter über. Natürlich sollten die Kinder auch keine wässrigen Durchfälle mehr haben und an der normalen Kita-Kost teilnehmen können.

GESUND: Viele Kindergärten fordern aber grundsätzlich ein Attest, bevor ein Kind wieder aufgenommen wird. Zu recht?

Fegeler: Das ist ein ständiges Ärgernis zwischen den Kindergärten und uns Kinderärzten. Das Robert-Koch-Institut hat dazu Empfehlungen herausgegeben, die ganz anders aussehen als das, was die Kindergärten verlangen. Manche nehmen zum Beispiel ein Kind nach einem Brechdurchfall erst wieder auf, wenn es geformte Stühle hat. Das ist aber Blödsinn. Es kann durchaus weiche Stühle haben. Die meisten Ansteckungen erfolgen über Tröpfcheninfektionen, nicht über den Stuhl. Da wird vieles aufgebauscht. Andererseits muss ein Kindergarten auch drauf reagieren, wenn Eltern dem fiebernden Kind ein Zäpfchen geben und dann krank in der Einrichtung abgeben.

GESUND: Wie viele Kitas fordern Gesundschreibungen?

Fegeler: Die meisten, und das führt auch regelmäßig zu Konflikten. Wir hören von Erziehern häufig, dass der Träger das verlange und sie sich nicht dagegen wehren können. Zugleich machen Eltern Druck und sagen: "Dieses Kind hatte gestern noch Durchfall, und heute hat's meiner auch." Für Erzieher ist es dann leichter, wenn sie einen Zettel vom Doktor vorzeigen können, der sie absichert. Epidemiologisch ist das zwar Kokolores, aber man kann das manchen Eltern einfach schlecht erläutern.

GESUND: Für Eltern ist das auch eine Kostenfrage. Sie müssen oft fünf bis zehn Euro für eine Gesundschreibung zahlen. Warum?

Fegeler: Das Erstellen einer Gesund-Bescheinigung ist in der Tat keine Kassenleistung. Wie der einzelne Arzt damit verfährt, bleibt in seinem Ermessen. Ich arbeite in Berlin in einem sozialen Umfeld, wo solche Preise utopisch wären. Dann würden Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Kitas bringen. Es gibt aber auch Kollegen, die versuchen, die umliegenden Kindergärten zu erziehen, indem man die Preise dafür hochsetzt und hofft, dass die Eltern wegen der Kosten Druck auf die Kindergärten machen.

Gespräch mit Dr. Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Mai 2014
Quelle: http://www.onmeda.de/g-kinder/gesundschreibung-2822.html

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